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Schnuller-Junkie auf kaltem Entzug…

…bedeutet gleichzeitig „isar mami hardcore auf Schokolade“ um dem ganzen Terror entgegenzuwirken.

Hahaha…ja, ich musste tatsächlich einiges mehr an Nervennahrung zu mir nehmen, doch nun ist die erste und entscheidende Woche rum. Ich sag’s euch, das war ein Wechselbad der Gefühle und mein Nervenkostüm war schon SO kurz davor auseinanderzufallen.
Kennt ihr das? Anfangs sehen diese putzigen kleinen Bäckchen noch „soooo…süß“ aus wenn dazwischen ein Schnuller steckt und fleißig vor sich hin nuckelt. In unserem Fall hat er auch damals wunderbar seinem Zweck gedient und gegen Felix Baby-Verdauungsproblemchen geholfen. Jetzt jedoch, bei einem Meter Laufgröße, sieht das ganze nicht mehr süß sondern irgendwie lächerlich aus. Klar sind auch die Schnuller mit der Zeit größer geworden, doch ich glaube so große Schnuller kann man nicht mehr fabrizieren als das die an dreijährigen oder gar noch älteren Kindern wirklich süß aussehen könnten.

Nachdem ich wusste, dass ich zwei Wochen mit Felix alleine daheim bin da die Krippe geschlossen hat und ich noch meinen Resturlaub abbummeln musste, habe ich es mir zum Ziel gesetzt diesem Kind den „Didi“ (hochdeutsch: „Schnuller“) abzugewöhnen.
Vor allem in den Wochen vor dem Entzug war es besonders schlimm. „Didi“ hier, „Didi“ da, ich konnte es nicht mehr hören und war sowieso schon „taub“ wenn ich mit Schnuller im Mund auch noch etwas gefragt wurde. Felix wusste sofort was zu tun war wenn ich mal wieder fragte „Que has dicho?“ („Was hast Du gesagt?“). Es folgte sogleich die gewohnte Handbewegung zum Mund, Didi raus, Frage stellen, Didi wieder rein…FURCHTBAR!
Ich fragte mich wie das nur werden sollte wenn ich dann bald zwei „Babys“ mit Schnuller habe?! Meine einzige Lösung war also der Entzug bevor Felix‘ Brüderchen geboren wird, denn freiwillig wird mein kleiner Sturkopf den niemals abgeben, soweit kenne ich ihn dann doch, zumindest nicht wenn er quasi den ganzen Tag damit rumläuft.

Tag 1 – „Das überstehst Du schon!“

Da meinem Mann bei Felix‘ Geschrei schon nach wenigen Minuten ein Tinitus droht, wohingegen ich scheinbar Besitzer zweier recht stabiler Trommelfelle bin, war ich so nett den Entzug auf „meine freie Zeit“ zu verschieben, wofür er mir noch immer äußerst dankbar ist.
Am ersten Tag habe ich die Auswirkungen direkt zu spüren bekommen. Schon früh morgens ließ ich den Didi verschwinden, was auch nicht lange ohne Folgen blieb.

Ich hörte mir gefühlt 400 Mal die Frage „Quiero mi chupon!!!“ („Ich will meinen Didi“) an. Anfangs klang es noch eher wie ein winselnder Hund, bis es in lautes Geschrei ausartete, gefolgt von Tränen, knallenden Türen und einem beleidigtem weinenden Kind im Bett. Ja…es fiel mir nicht leicht dem Drang zu wiederstehen ihm einfach dieses vermaledeite Ding in den Mund zu stecken, aber so leicht wollte ich mich nicht geschlagen geben.
„Nein, ich bin keine Rabenmutter, ich versuche nur meinem Kind etwas abzugewöhnen was er definitiv nicht braucht!“…Ich versuchte meinem Gewissen gut zuzureden, denn man zweifelt natürlich schon manchmal an sich und solchen Aktionen. Ich weiß ja, dass er dieses S-C-H-Ding nicht braucht, da er wunderbar ohne zurechtkommt wenn er beschäftigt ist.
Nachts bzw. zum Schlafen ist das kein Problem, denn er steckt sich alternativ den Daumen in den Mund und ich weiß was das wiederum für kieferorthopädische Folgen hat. Also bekommt er ihn nur noch zum Schlafen, das habe ich ihm versprochen und auch gehalten.

Ich habe also das Geschrei am Montagmorgen ignoriert, bin durch die Wohnung gelaufen und habe alles zusammengepackt was man für einen Freibadbesuch so braucht. Er hat irgendwann auch gemerkt, dass seine Tiraden auf taube Ohren stoßen und wurde nach einer halben Stunde etwas leiser, worüber sich sicherlich auch die Nachbarn gefreut haben. Ich redete ganz normal mit ihm, als sei nichts, packte ihn mir und setzte ihn hinter mir auf’s Rad.
Ich schwitzte und war froh als er hinter mir den Fahrtwind genoss statt mir die Ohren vollzuheulen. Ich betete, dass mein fast dreijähriger Sohn nicht vorzeitige Wehen hervorruft, doch scheinbar bzw. dankenswerterweise ist sein ungeborener Bruder hart im nehmen…gut so!

Als er im Fahrradsitz saß war er auch schon ruhig, welch eine Erleichterung für meine Ohren. Auch im Dantebad ging alles wunderbar zu, wahrscheinlich auch weil ich jeden Schnuller-Bettel-Versuch mit einem Essensangebot platt machte. Es gab Kekse, Eis, Breze und sogar Gummibärchen. Felix war bis spät abends also in einem Zuckerrausch der ihn vom Schnuller ablenkte. Erst als wir daheim ankamen ging der Terror erneut los, bis er beschloss aufzugeben. Stattdessen wartete er ab bis er zum Schlafengehen einen bekommt.

Tag 2 – „Der Tag den ich aus dem Kalender streiche!“

Unfassbar, wieso habe ich mir das nur angetan. Nach einem ruhigen Termin in meiner Geburtsklinik hatte ich geplant mit Felix direkt weiter ins Freibad zu fahren, aber nicht das Freibad das bei uns quasi ums Eck liegt, nein, ich hatte mir das Maria-Einsiedel eingebildet.
Während der Fahrt, hochschwanger, mit Rad und Anhänger war noch alles soweit in Ordnung. Ich brauchte zwar 1 1/2 Stunden, aber vor allem weil es unglaublich heiß war, die Strecke „bescheiden“ und ich auch noch mehrere Trinkstopps für Felix und mich einlegte. Es war eine nicht enden wollende Fahrt.
Als wir im Freibad ankamen wollten wir beide nur eines, ab ins Wasser. Wir planschten im Kinder- und Nichtschwimmerbecken bis ich langsam Hunger bekam und mit Felix zurück zu unserer Decke wanderte. Im Nachhinein hätte ich noch ein wenig ausharren und das Wasser noch mehr genießen sollen, denn wie sich später herausstellte kam es nicht mehr zu einem zweiten „Sprung“ ins kühle Nass.

Ich wollte eigentlich, dass er auch bei seinem Mittagsschlaf auf den Schnuller verzichtet, denn in der Kinderkrippe klappt das auch problemlos. Letzten Endes jedoch kam es einfach dazu, dass jeder Felix und mich kannte, denn Felix schaffte es das ganze Freibad mit seinem Geschrei zu beschallen und ich durfte mir, obwohl ich offensichtlich schon all unsere Sachen zusammenpackte um wieder zu verschwinden, noch das Gestöhne von einem Familienvater und blöde Sprüche einer alten Kuh anhören. Als ob ich nicht wüsste dass mein Sohn schreit…! Sollte ich ihm etwa einen Knebel anlegen? Ich bin wirklich ein geduldiger Mensch, hatte aber SO EINEN HALS als ich das Freibad verließ und zwar nicht wegen Felix, sondern wegen der Menschen die scheinbar dachten ich hätte größten Spaß an der Aktion. Ich war den Tränen nahe vor Erschöpfung…
Der Weg nach Hause war zum Glück etwas ruhiger, denn Felix schlief vor Erschöpfung ein und ich suchte mir einen wesentlich kürzeren Heimweg.
Bis zum Schlafengehen diskutierte ich noch zwei oder drei Mal mit Felix, aber das Thema war immer wieder schnell gegessen. Ich versuchte ihn einfach bestmöglich abzulenken und es fruchtete, zumindest etwas!

Tag 3 – 7 – „Er hat’s verstanden!“

Nach dem Desaster im Maria-Einsiedel habe ich nochmals versucht ihn mittags ohne Schnuller zum Schlafen zu bringen. Das ganze endete damit, dass er einfach keinen Mittagsschlaf machte.
Das konnte ich leider nicht jeden Tag so umsetzen und somit bin ich wieder etwas zurückgerudert. Er bekommt jetzt generell zum Schlafen einen Schnuller, welchen er jedoch ohne Aufforderung nach dem Aufwachen direkt wieder abgibt bzw. in die Küche bringt und ins Waschbecken schmeißt. Tagsüber ist er jetzt somit komplett ohne Schnuller unterwegs und ich kann euch gar nicht sagen wie unglaublich angenehm das ist. Er fordert ihn auch überhaupt nicht mehr ein und ist trotz allem super drauf, welch eine Erleichterung!

Ich bin so happy, dass das doch so schnell und bis auf die ersten zwei Tage so problemlos geklappt hat. Gerne hätte ich auf diese knackige Maßnahme verzichtet, aber wie gesagt, jeder kennt sein Kind und weiß was am besten funktioniert.
Die restliche Schnuller-Nutzung erledigt sich hoffentlich irgendwann von alleine! Ich nehme das jetzt einfach so hin und bin dankbar, dass ich einen normal redendes Kind vor mir habe, welches ich nicht erst auffordern muss den Schnuller rauszunehmen.

Habt ihr das schon hinter euch? Schnullerfee und ähnliches haben bei uns leider nicht funktioniert, das war meine einzige Möglichkeit, vielleicht ja auch für euch!

Wie gewöhne ich meinem Kind den Schnuller ab?

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