Smartphones und Tablets – Empfehlungen zur Nutzung mit Kindern

Es gibt so viele Themen, zu denen ich eine ganz klare Meinung habe, vor allem wenn es um die Kinder geht. Sehr oft behalte ich sie für mich und lasse jeden so machen wie er möchte, doch in diesem Fall sehe ich das anders.
Immer wieder bin ich erstaunt zu sehen, wie selbstverständlich bereits ganz kleine Kinder das Smartphone als Zeitvertreib sehen. So oft schon hätte ich mir gerne die Eltern gepackt und sie gefragt was sie sich dabei denken wenn sie ihrem zweijährigen Kind in der S-Bahn ihr Handy in die Hand drücken, nur damit es Ruhe gibt und sie nicht belästigt.

Und nein, das hat scheinbar auch nichts mit Schichten, Wohlstand, kultureller Herkunft oder ähnlichem zu tun, ich sehe das überall.
Erst letztens saß ich in einem Café. Die Mutter war Mitte Dreißig, schien gebildet und der Mann dazu war scheinbar zwischen seinen Business-Terminen dazugestoßen. Die zwei süßen und braven Jungs saßen gegenüber, circa 5 und 3 Jahre alt. Noch bevor sie bestellt hatten drückte der Vater dem älteren der beiden sein Smartphone in die Hand. Dieser fing sofort an darauf zu spielen und der kleine Bruder drückte sich an ihn und versuchte alles auf dem Bildschirm mitzuverfolgen.
Tatsächlich ging das über eine Stunde so, während die Eltern sich miteinander unterhielten.

Ich war wirklich sauer, vor allem aber deshalb, weil ich zu gerne etwas gesagt oder getan hätte um die Situation zu ändern. Es war wie Folter für mich, denn meine Söhne sind in einem ähnlichen Alter und da läuft das ganz anders. Die Jungs hätten sicherlich auch gerne gemalt, mit Autos gespielt oder ihren Eltern irgendwelche Geschichten erzählt. Doch die wollten wohl nur ihre Ruhe.
Vielleicht war es nur eine Ausnahme, doch die Abläufe waren zu eingespielt, es sah eher aus wie die Regel und nicht wie die Ausnahme.

Smartphones und Tablets - Tipps für Eltern von Babies und Kleinkindern

Wieso?

Naja, diese Frage erübrigt sich eigentlich, denn das „Wieso?“ ist ganz einfach zu beantworten.
Es ist einfach! Natürlich ist es einfach, seinem Kind ein Smartphone oder Tablet in die Hand zu drücken statt sich mit ihm zu beschäftigen. Damit meine ich ganz einfache Beschäftigungen wie „miteinander reden“, denn mehr brauchen die Kinder ja überhaupt nicht.
Die meisten Kinder erkunden die Welt, erzählen und stellen Fragen. Fragen, auf die sie gerne eine Antwort hätten. Manch einer jedoch lässt es gar nicht erst soweit kommen. Bevor das Kind anfängt zu sprechen drückt man ihm schon das Smartphone in die Hand. Fast noch nie habe ich erlebt, dass die Kinder vor dieser Aktion wirklich gequengelt haben, und wenn doch, dann weil sie unbedingt ans Handy wollten. Es war in dem Fall also bereits ein gelernter Prozess. So hat natürlich jeder seine Ruhe.

Und das Kind?

Das Kind lernt leider nicht, sich auch normal zu beschäftigen. Man muss sein Kind gar nicht immer bespielen und 24 Stunden, 7 Tage die Woche mit ihm spielen, denn Kinder können auch lernen sich zwischendurch alleine eine Beschäftigung zu suchen. Damit das funktioniert muss man seinem Kind von Anfang an aufzeigen, was es überhaupt für Möglichkeiten der Beschäftigung gibt.

Schon mit den einfachsten Spielsachen wie Autos, Kuscheltieren u.ä. können Kinder teilweise stundenlang glücklich spielen. Jeder Garten, jedes Haus, jeder Raum bietet Möglichkeiten, man muss nur etwas daraus machen und den Kindern zeigen, wie Dinge funktionieren und was man mit den einfachsten Dingen machen und erleben kann.
Unsere Jungs sind nicht umsonst zufrieden mit einem Stock im Wald, oder einem Eimer und einer Schaufel im Sandkasten, damit kann man die unterschiedlichsten Abenteuer erleben und Kunstwerke bauen.

Die Blikk Studie, die noch nicht komplett veröffentlicht wurde, hat einen Fazit aus der ständigen Nutzung des Smartphones bei Kleinkindern gezogen. Sie leiden später häufiger an Konzentrations- und Sprachstörungen, sowie an Fettleibigkeit, als Kinder die nicht ständig am Handy hängen.

Richtig baff war ich als ich las, dass bereits 70% der Kinder im Kita-Alter, das Smartphone der Eltern mehr als eine halbe Stunde täglich nutzen. Ist das wirklich wahr? Könnt ihr das bestätigen? Ich hoffe sehr, dass sich das wieder ändert und die Eltern wachgerütelt werden um zu sehen, was sie ihren Kindern damit antun bzw. wie viel Kindheit sie ihren Kinder damit nehmen.

Smartphones und Tablets - Tipps für Eltern von Babies und Kleinkindern

Natürlich sind Kinder auch mal laut, mal quengelig, mal nervig, doch das gehört einfach dazu. Wir bekommen ein Komplettpaket wenn wir Kinder bekommen und können uns nicht nur die „hübschen“ Sachen herauspicken. Unsere Kinder müssen ja auch mit nicht-perfekten Eltern klarkommen, oder?
Puh…das Thema nimmt mich mit, vielelicht merkt ihr es.

Und nein, ich bin auch nicht immer das perfekte Vorbild. Ab und an bleibe auch ich am Smartphone hängen wenn die Kinder um mich rum sind, aber dabei handelt es sich eher um ein/zwei Minuten und tatsächlich wird es immer seltener. Im Hinterkopf habe ich immer, dass dafür jetzt einfach nicht die richtige Zeit ist. Das Handy kann nie so wichtig sein wie die Kinder und unser Familienleben. Wenn es tatsächlich wichtig ist, dann klingelt es. Alles andere kann warten.

Wann ich meine Beiträge schreibe? Das mache ich abends wenn die Kinder im Bett sind. Manchmal auch erst spät in der Nacht, nachdem ich auf dem Sofa mit meinem Mann noch eine Serie geguckt habe. All das geht vor, das habe ich in den letzten Jahren gelernt!

Mit gutem Beispiel voran

Natürlich sind nicht die Kinder schuld an dieser Smartphone-/Tablet-Problematik, sondern einzig und allein die Eltern. Nicht die Omas, Opas, die Freunde, die Arbeit oder der Kindergarten, nein, die Eltern sind diejenigen die den Medienkonsum steuern bzw. steuern sollten.
Das Problem ist, dass viele glauben, Kinder bereits in den ersten Jahren an die „neuen Medien“ gewöhnen zu müssen, damit sie später einfacher damit umgehen können.

Das stimmt meines Erachtens so nicht, denn die Kinder lernen früh genug den Umgang. Alleine durch die tägliche Nutzung all der elektronischen Geräte unsererseits, haben die Kinder ein Gespür dafür, wie die Benutztung funktioniert. Sie wachsen damit auf, sie kommen gar nicht drum herum.
Uns hat man ja auch nicht stundenlang vor den Fernsehr gesetzt damit wir lernen wie man diesen bedient, oder? Das was für uns die neuen Medien sind, wird für unsere Kinder der Standard, der Alltag der sie tagtäglich begleiten wird, mehr noch als er uns jetzt schon begleitet.

Bei uns war von Anfang an das Smartphone und das Tablet tabu, es gab immer ein ganz klares „Nein“, wenn sie dieses in Händen hielten. Es war und ist zu teuer um ein Spielzeug zu sein, welches sie in keinster Weise brauchen. Natürlich sehen uns die Kinder ab und an daran sitzen, doch es interessiert sie gar nicht. Sie wissen, dass ich mal im Internet etwas nachsehe oder lese, und auch, dass der Papa sich abends damit auf’s Sofa setzt. Es reizt sie überhaupt nicht, denn sie haben ja so viele Alternativen sich zu beschäftigen.

Natürlich kann man Ausnahmen machen!

Dass ich den täglichen Umgang nicht gutheiße heißt nicht, dass meine Kinder sich noch nie mit Tablet oder Handy beschäftigt haben. Max, der bald zwei wird, hatte tatsächlich das Handy noch nie aktiv in Händen. Er kennt es von uns, und von den Facetime-Anrufen, wenn wir mit den Großeltern, Tanten und Onkeln telefonieren. Eine fantastische Möglichkeit in der heutigen Zeit sich trotz der Ferne regelmäßig zu sehen und zu sprechen.

Die neuen Medien sind wunderbar, man muss sie nur richtig einsetzen!
Felix, der jetzt bald fünf wird, durfte mit drei Jahren das erste Mal am Tablet etwas spielen. Wir hatten uns eine Wimmelbuch-App heruntergeladen, die aussah wie ein hübsches Kinderbuch. Er konnte verschiedenste Sachen auf dem Bildschirm berühren, woraufhin sie sich bewegten und Geräusche machten. Eine wirklich hübsch gestaltete App, perfekt für Kinder diesen Alters. Auch Memory oder ähnliche ruhige Spiele kann man MAL darauf spielen. Am besten tut man dies gemeinsam mit dem Kind.

Das letzte Mal, dass Felix das Tablet haben durfte, war auf dem Flug nach Mallorca vergangenes Jahr. Wir hatten ein paar Kinderserien heruntergeladen, so dass er sich diese während des Fluges mit Kinderkopfhörern ansehen konnte. Es war perfekt, denn er konnte so eine halbe Stunde im Flieger überbrücken. Länger wollte er gar nicht. Er packte statt dessen lieber seine neue Zeitschrift aus und spielte anschließend mit einem Spielzeug.

Auch jetzt fragt er nie nach dem Tablet, obwohl er weiß was man darauf machen kann. Das macht mich glücklich, denn er sieht scheinbar keine Notwendigkeit die Geräte zu nutzen und malt oder spielt statt dessen.

Richtwerte zum Medienkonsum

Entscheidend ist, wie es auch an anderen Stellen heißt, den Kindern beizubringen „gut und souverän“ mit den Medien umzugehen. Dazu gehört meines Meinung nach sowohl ein Verbot für Babys und Kleinkinder, als auch die Aufklärung der Möglichkeiten bei Jugendlichen.

Wisst ihr beispielsweise, dass derzeit ein gefährliches „Spiel“ kursiert, die Blue-Whale-Challenge? Dieses Spiel ist in Level eingeteilt und soll vor allem labile Personen dazu bringen, am Ende der 50 Level durch den Sprung in den Tod zu „gewinnen“. Ist das zu glauben?
Genau über diese aktuellen Dinge muss man mit heranwachsenden Kindern und Jugendlichen sprechen. Denn neben den vielen Vorteilen des Internets, bringt das Netz auch einige Gefahren mit sich. Ein Smartphone- oder Internet-Verbot bei Jugendlichen ist meiner Meinung nach der absolut falsche Ansatz. Es bedarf einzig und alleine der Aufklärung.

Aufklärung in jegliche Richtungen ist damit gemeint. Was ist gefährlich und was nicht? Was ist echt und was nicht? Was ist „normal“ und was will man den Zuschauern weißmachen, was angeblich normal sein soll? Besonders Kinder und Jugendliche sind leicht zu beeinflussen. Man muss sie hier und da einfach führen und ihnen aufzeigen, dass nicht alles was sie im Internet sehen oder lesen der Wirklichkeit entspricht. Es gibt so viele Fake-News und -Videos, da fällt es selbst Erwachsenen oft schwer diese korrekt zu bewerten.

Besonders schwierig als Eltern von größeren Kindern ist es, auf dem gleichen oder ähnlichen Wissensstand „in der Szene“ zu bleiben. Man sollte sich regelmäßig mit den aktuellen Geschehnissen im Netz befassen um zu wissen was derzeit passiert und kursiert. Wer nicht mitschwimmt, wird schneller von den Kindern ausgetrickst. Besser, man bildet sich selbst immer wieder fort um auf einem Wissensstand zu bleiben und die Kinder aktiv zu begleiten ohne in ihre Privatsphäre eindringen zu müssen.


(Bildquelle: www.mdr.de)

Tolle Tipps für Eltern (besonders von Kindern und Jugendlichen)

Wer nicht weiß, wo er beginnen soll, und auf dem neuesten Stand bleiben möchte, der sollte sich mal auf folgenden Seiten umsehen. Sich Hilfe bzw. Ratschläge zu holen ist absolut angemessen, denn wie soll man das alles einschätzen können, wenn man doch ganz anders aufgewachsen ist. Zum Glück gibt es viele Stellen, um Erklärungen und Tipps zu finden, die sicherlich auch Missverständnisse aus dem Weg räumen und es schaffen, gewisse Dinge besser einschätzen zu können.

  • www.schau-hin.info – Der Medienratgeber für Familien informiert Eltern und Erziehende über aktuelle Entwicklungen der Medienwelt. Hier findet ihr wirklich alle Informationen zum Thema „Was Dein Kind mit Medien macht“ und hier sind wirklich alle Medien gemeint.
  • www.kinder.de – Regeln für den Umgang mit dem Internet
  • www.techfacts.de – Bewertungen, Erklärungen und Ratschläge rund um das Thema neue Medien und Internet
  • www.spielbar.de – Diese Seite ist ein Portal von der Bundeszentrale für politische Bildung. Hier prüfen sowohl Jugendliche als auch Erwachsene alle Arten von Onlinespielen, seien es Konsolenspiele, Computerspiele oder Handygames. Als Eltern kann man sich hier wirklich ausgiebig informieren und auch prüfen ob die Altersangabe der Spiele auch realistisch ist.

Welche Alternativen für die Beschäftigung von Kleinkindern gibt es?

Ich habe in meiner Handtasche schon seit Jahren standardmäßig Stifte dabei, meist auch Papier. Die Kinder lieben es zu malen wenn wir in Cafés oder Restaurants sind. Alternativ bauen wir Häuser aus Bierdeckeln, lesen Pixi-Bücher oder ähnliches. Selbst wenn ich mal nicht daran gedacht hatte etwas mitzunehmen, gab es immer eine nette Bedienung mit einem Block und einem Stift. In vielen Lokalitäten gibt es sogar Malvorlagen, Kinderbücher und noch mehr Spielsachen für Kinder. Wer braucht da schon ein Handy?
Wenn man in Lokalitäten mit Garten geht sind die Kinder sowieso schon versorgt. Sie spielen mit den Steinen, toben herum und genießen die Freiheit.

Je älter sie werden, desto mehr interaggieren sie mit den Erwachsenen oder gleichaltrigen am Tisch. Auch Jugendliche müssen nicht mit Handy am Tisch sitzen, wir haben das ja damals auch nicht getan und das obwohl ich damals auch schon ein Handy hatte. Ich hätte gerne, dass es weiterhin so bleibt. Dass man während der „Familienzeit“ nicht am Smartphone sitzt, und dies erst macht wenn man alleine ist oder sich speziell dafür zurückzieht.

Wie macht ihr das? Wann seid ihr am Handy? Sind eure kleinsten auch schon so verrückt nach eurem Mobiltelefon? Interessieren würde mich auch, wie sich eure jugendlichen Kinder verhalten? Wie läuft das heutzutage so ab? Ich bin schon sehr gespannt was mich in den kommenden Jahren erwartet, besonders ab dem Schuleintritt.

Comments

  1. Und dabei ist noch garnicht berücksichtigt, welche Auswirkungen die Nutzung von Smartphone & Co. auf die Gesundheit der Kleinen hat. Ich kann aus meiner Arbeit und Erfahrung auch nur davor warnen! Die kleinen Gehirne und Körper sind für diese Belastungen noch viel zu empfindlich …

    • Das mit den Konsequenzen die ich im Artikel aufzeige hat genau damit zu tun. Die Kleinen sollten sich wirklich noch frei und ohne ständige Elektronikeinflüsse entfalten können.

  2. Ein sehr moralisierender und vorwurfsvoller Artikel, der sich leider nicht an der Realität vieler Eltern orientiert. Es ist schön zu hören, dass die Autorin mit gänzlich entspannten und vollkommenen Kindern gesegnet ist. Auch ist der theoretische Ansatz lobenswert, seine gesamte Zeit den Kindern zu widmen und sich uneingeschränkt selbstaufopfernd dem Wohl der Kleinen zu ergeben. Doch zweifle ich an der Richtigkeit und realen Umsetzung genannter theoretischer Ansätze.
    Ich befürworte keineswegs die Medienentwicklung der letzten Jahre und die immer frühere Gewöhnung der Kleinen mit den immer neuen Innovationen. Jedoch halte ich es schlicht und einfach für nicht gerechtfertigt, arrogant und ignorant über sämtliche Eltern pauschal zu urteilen, die ihren Kindern ein Smartphone überlassen.

    • Meine Kinder sind nicht immer entspannt und perfekt, das müssen sie auch nicht sein, doch sie wissen sehr gut sich zu beschäftigen. Und auch ich kann nicht meine gesamte Zeit den Kindern widmen. Mit Job und Haushalt ist das auch nicht möglich, doch sehe ich das nicht als Argument für Smartphones oder ähnliches. Sie spielen einfach so, wie wir es früher auch getan haben, und problemlos auch mal alleine.

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