Du bist konsequent? Du Rabenmutter!

Wisst ihr was mich ärgert? Das man als Eltern schon fast dafür rechtfertigen muss, seine Kinder zu guten Kindern und vernünftigen Erwachsenen zu erziehen.

Gestern war mein Mann mit Felix beim St.-Martins-Fest in der Kita, während ich daheim auf Max aufgepasst habe der einfach nur müde war und das nicht gepackt hätte. Nach den eigentlichen Feierlichkeiten hat er zufällig beobachtet, wie Felix zusammen mit drei anderen Kindern einen größeren Jungen mehrmals geschubst haben, einfach so, ohne Grund. Nur deshalb „weil die anderen zwei Mädchen das auch gemacht haben“. Die Konsequenz? Ab nach Hause!
Wenn etwas gar nicht geht dann ist es, in der Gruppe auf nur ein Kind „loszugehen“, soweit man das bei Vierjährigen so nennen kann.

Er musste sich bei dem Jungen entschuldigen und dann ging es heim. Ja, unser Sohn muss sich entschuldigen, denn ein Vierjähriger muss daran erinnert werden, er macht das nicht einfach so, zumindest nicht immer. Da haben andere Mütter andere Meinungen dazu, das weiß ich, aber bei uns entschuldigt man sich IMMER wenn man etwas falsch gemacht oder jemandem absichtlich oder unabsichtlich weh getan hat. Und nur weil ich es von ihm erwarte, heißt es nicht, dass es weniger wert ist. Schlimmer finde ich es keine Entschuldigung zu bekommen, denn es ist nicht einfach jemandem in die Augen zu sehen und sich für etwas zu verantworten.

Oft sagen wir auch einfach etwas ohne weitere Konsequenzen, wenn Felix oder Max etwas machen das sie nicht machen dürfen. Vor allem erklären wir ihnen immer wieso man etwas nicht machen darf, denn sie sollen ja auch die Hintergründe verstehen. Bei Max natürlich in dem Rahmen das seinem Alter von 13 Monaten entspricht, das ist klar.

Bei dieser Aktion in der Kita jedoch musste es eine Konsequenz geben, und die war, das Fest zu verlassen. Schön war es für Felix nicht, ebenso wenig für den Papa, aber Felix hat verstanden wieso der Papa so reagiert hat. Ich bin mir fast sicher dass das so nicht mehr vorkommen wird, oder er zumindest merken wird, dass das nicht richtig ist, falls es doch mal wieder dazu zu einer ähnlichen Situation kommt.

All das ist auch gar nicht schlimm, Kinder müssen ja erst lernen was richtig und was falsch ist. Sie müssen erst lernen was fair und unfair ist, und zu viert einen einzelnen zu schubsen ist einfach nicht gerecht. Jetzt sind es noch kindische Rangeleien, doch irgendwann nennt man das Mobbing. Und wenn ich es meinem Sohn nicht jetzt beibringe, wann dann? In vier oder fünf Jahren? Er ist doch jetzt schon in sozialen Gruppen und in zwei Jahren sogar schon in der Schule!

So Sätze wie „das lernen die ja noch irgendwann“ finde ich einfach falsch. Denn wieso sollte ich meinem Kind in ein paar Jahren etwas beibringen, worauf ich scheinbar jetzt keinen Wert lege?
Wirklich ärgern tue ich mich in solchen Situationen, wie der gestern, über andere Eltern. Sie schauen einfach weg, oder wenn sie es sehen, dann spielen sie es runter. Nicht weil sie denken dass es in Ordnung war, sondern einfach weil sie sich nicht die Mühe machen wollen ihren Kindern zu erklären WIESO es nicht in Ordnung war.

Felix hat gestern als einziger zu hören bekommen, dass das nicht okay ist. Nur bei ihm folgte darauf eine Konsequenz. Da fühlt man sich schnell mal wie ein Rabenvater oder eine Rabenmutter, und das nur aus dem Grund weil man seinem Kind zeigen will was gute und was weniger gute Menschen ausmacht. Aber die anderen „lernen es ja sicherlich noch irgendwann“! ****

Ja, wir sind strengere aber zeitgleich auch unglaublich liebevolle Eltern. Wir schimpfen Felix, wir sind konsequent, vor allem aber weiß er die Hintergründe unserer Handlungen und sieht es letztlich meist auch ein. Es gibt Phasen da muss man ihm öfter mal die Grenzen aufzeigen, manchmal klappt auch einfach alles.

Alles in allem hätte ich gerne, das meine Kinder in einer Gesellschaft aufwachsen, die gelernt hat was richtig und was falsch ist. Deren Eltern sich mit ihnen beschäftigt haben. Eltern die ihren Kindern Freiheiten geben weil sie ihnen vertrauen und sie kennen, und ihnen gleichzeitig Grenzen aufzeigen. Eltern die wissen, dass wenn ihr Kind austeilt es auch mal einstecken muss, ohne großes Mitleid.
Was vermitteln denn die Eltern ihren Kindern wenn sie wegschauen, wenn die eigenen Kinder anderen Kindern wehtun, aber groß aufschreien wenn es mal das eigene Kind erwischt hat? Entweder man fängt gar nicht erst an, oder man muss eben mit der Konsequenz leben! Ist das nicht so?

Ich weiß nicht wie ihr das seht und ob ihr meiner Meinung seid, aber ich wollte das mal loswerden. Vor allem weil man sich manchmal wirklich fragt ob man bescheuert ist weil man sein Kind zu einem guten Menschen erziehen will! Sollte es besser ein Arschloch werden, um in der Welt voranzukommen? Vielleicht ja, aber ich bin jetzt recht weit gekommen ohne zu einem solchen erzogen worden zu sein. Für mich kommt wegschauen also nicht in Frage!

Comments

  1. Katharina says:

    Das hat dein Mann sehr gut gemacht. Ich finde diese Erziehung gut. Das hat nichts mit rabeneltern zu tun. Das ist einfach nur eine Konsequenz für eine Handlung,die nicht in Ordnung war. Unsere Kinder müssen das Lernen und zwar von ihren Eltern. Viele Eltern überlassen das Erzieherinnen oder Lehrern, was ich unmöglich finde. Die haben einen anderen Auftrag.
    Daumen hoch an euch

  2. Hast du gut getroffen. Sehe das genau so wie du und würde mir wünschen mehr Eltern würden sich Zeit nehmen für ihre Kinder um ihnen gewisse Werte zu vermitteln.

  3. … endlich mal jemand der es mit Konsequenz und nicht nicht 80.000 Erklärungen im sanften Ton und 1.000 Bitte versucht – ach was versucht – vor sich hinbrabbelt, wenn überhaupt reagiert wird.
    Ich habe 4 Kinder zwischen 21 und 5 Jahren und mittlerweile kann ich mich kaum mehr über andere Elter:/Kinder freuen.
    Mein Lohn für meine Konsequenz: meine Kinder sind gern gesehene Gäste und ich muss wirklich wirklich selten schimpfen, denn wenn man von Anfang an eine liebevolle aber konsequente Linie fährt ist das für ALLE beteiligten einfacher … man muss halt leider nur damit leben, dass man oft der einzige ist der straight ist und die anderen lassen weiter das Schweinchen raus!
    Schön dass es noch andere gibt, die ihre Kinder sozialverträglich erziehen und sich Mühe machen 🙂 TOLL!!! lg

  4. Also ich bin ehrlich gesagt entsetzt zu lesen, dass so etwas selbstverständliches den Kindern nicht vermittelt wird. Was sonst ist die Aufgabe von Eltern. Kinder lernen durch das gelebte (und nicht das wortreiche) Vorbild ihrer Eltern. Und wenn ein solches Verhalten sichtbar toleriert wird und für das Kind keine gefühlte negative Konsequenz hat (altersentsprechend und erklärt, so wie ihr es gemacht habt), scheint es ja die Billigung der Eltern zu haben. Dabei: Was du nicht willst das man dir tu, dass füg auch keinem anderen zu.
    Mein Sohn (3,5 Jahre) soll unbedingt lernen, das sein Verhalten Konsequenzen für ihn hat, das heißt nämlich Fehlverhalten zu erkennen und die Verantwortung dafür zu übernehmen (und sich selbstverständlich entschuldigen) Dann werden auch später nicht immer die anderen (Mitschüler, Lehrer, Chef) Schuld sein, wenn er etwas absichtlich/unabsichtlich falsch gemacht hat und vielleicht eine unschöne Konsequenz eingetreten ist. Damit möchte ich ihn befähigen zu erkennen, dass er selbst für seine Taten /Entscheidungen/sein Leben verantwortlich ist. Wann soll man damit anfangen, wenn nicht am Anfang des Lebens (altersentsprechend) ? Das ist doch das Leben…

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