Vollzeit-Mum, Teilzeit-Mama oder Karriere-Mami? Alles geht!
Ich muss zugeben, ich war diesbezüglich noch vor einigen Monaten sehr voreingenommen. Jetzt mal ehrlich, das Wort „Hausfrau“ klingt doch einfach nicht toll, oder? Ich finde so etwas wie „Power-Mum“ oder so viel besser.
Von Anfang an stand für mich fest, dass ich nach der Elternzeit wieder in meinen Beruf zurückkehren will. Einerseits um weiter im „Geschäft“ zu bleiben, um die finanzielle Unabhängigkeit nicht zu verlieren und generell um ein paar Euro mehr in die Kasse zu schaffen, um sich doch mal einen schönen Urlaub mit der ganzen Familie leisten zu können.
Relativ schnell stellte ich fest, das Thema „Unabhängigkeit“ ist Definitionssache. Natürlich war ich während der Elternzeit finanziell von meinem Freund abhängig, allerdings machte er mir klar, dass er im Gegenzug auch abhängig von mir wäre. Ich war und bin weiterhin hauptverantwortlich für die Erziehung unseres Sohnes. ICH bin diejenige die die sich die meiste Zeit mit Felix beschäftigt und ihn erzieht, somit wäre er auch abhängig von mir. Jeder hat somit seine Aufgabe.
Ich fand es toll, dass er diese Meinung vertritt. Letztendlich ist es ja genau so und keiner „schuldet“ dem anderen etwas.
Trotz allem wollte ich nach einem Jahr wieder im Büro anfangen. Die Arbeit – und ich meine damit nicht „Hausarbeit“ – fehlt einem schon irgendwie und es ist auch ganz schön noch etwas anderes zu machen neben dem Muttersein, was ich natürlich niemals missen möchte, Muttersein wird immer meine Priorität Nummer Eins sein!
Einige Wochen vor Felix‘ erstem Geburtstag hatten wir uns darauf eingestellt, dass ich nun doch noch ein weiteres Jahr daheimbleiben würde da wir bis dato keinen Krippenplatz erhalten hatten. Ich hatte mich mit dem Gedanken angefreundet und fand es schön meinen Sohn noch ein weiteres Jahr rund um die Uhr um mich zu haben, trotz der Tatsache, dass ich dann ein weiteres Jahr „Hausfrau“ wäre.
Dann kam der Anruf! Wir bekamen einen Betreuungsplatz zugesprochen, direkt bei uns um die Ecke in einer fast neuen Einrichtung. Wir waren wenige Monate vorher sogar beim Tag der offenen Tür und waren begeistert von der Krippe, die gerade einmal 3 Jahre alt war.
Der Leiter am Telefon sprach sogar davon, dass uns der Kindergartenplatz bei der Zusage auch schon zugesichert würde. Um den Platz zu erhalten mussten wir mindestens 8 Betreuungsstunden pro Tag abnehmen und uns relativ schnell mit unserer Entscheidung zurückmelden.
Krippenplatz eine Gehminute von uns entfernt, tolle Betreuer, tolle Einrichtung, städtische Gebührenordnung, sicherer Kindergartenplatz ab 3 Jahren…das ist in München wie ein 6er im Lotto dachten wir, da kann man einfach nicht absagen. Und wir taten es auch nicht. Am Tag drauf haben wir den Termin für die Vertragsunterzeichnung gemacht und wenige Tage später war Felix in der Krippe eingeschrieben.
Da war ich nun, hin- und hergerissen. Es war wirklich eine Achterbahn der Gefühle innerhalb weniger Tage.
Ich nahm es als einen Wink des Schicksals und meldete meinem Arbeitgeber, dass ich nun doch wieder anfinge zu arbeiten, allerdings erst 3 Monate später, um den Felix langsam in der Krippe einzugewöhnen.
Nun ist er seit einem Monat in der Krippe und alles läuft super. Er ist glücklich dort und somit sind wir Eltern es auch. Er hatte überhaupt keine Probleme sich einzugewöhnen, im Gegenteil, es läuft alles so glatt, dass er gestern das erste Mal bereits bis 17.00 Uhr in der Krippe blieb, nur um zu testen ob das funktioniert. Bis Januar werden wir das nur ab und zu machen damit er sich auch an diese Zeiten gewöhnt, denn ab dem 7.1.14 geht’s auch bei mir wieder los, Vollzeit.
Ich muss zugeben, es war schon schwierig gestern und ich war voller Vorfreude meinen Zwerg wieder abzuholen, bin sogar die letzten Meter gerannt. Ich widme die paar Stunden die wir haben jetzt voll und ganz ihm und genieße es, denn ich habe nichts mehr zu tun, alle Arbeiten die ich sonst immer zwischendrin machen musste kann ich jetzt schon vorab erledigen.
Vor einigen Wochen habe ich einen Blog gelesen in dem eine Mutter, die sich ausschließlich um ihre Kinder kümmert und nicht arbeitet, sich fast aufgeregt hat darüber das man Vollzeit einem Beruf nachgeht und nicht rund um die Uhr seine Kinder betreut.
Es ist unrealistisch zu glauben jeder könnte es sich leisten daheimzubleiben. Es ist ein Luxus daheimbleiben zu können, doch nicht jedem vergönnt.
Zudem wird es nicht einfacher wieder einen Job zu finden wenn man mal 3 Jahre oder länger daheim bleibt. Natürlich könnte ich auch eine Halbtagsstelle antreten, aber in meinem Fall MUSS ich die 8 Stunden Betreuung abnehmen, da sonst der Platz anderweitig vergeben wird.
Wiederum andere brauchen nur ein wenig Geld mehr, vielleicht nur wenige hundert Euro um problemlos über die Runden zu kommen, meist jedoch müssen aufgrund des Kita-Platz-Mangels private Krippen in Anspruch genommen werden und diese Betreuungsplätze kosten genauso viel wie man teilweise in seinem Halbtagsjob netto veridient, oder nur unwesentlich weniger.
Es ist alles andere als einfach eine Entscheidung zu treffen, aber egal wie man es letztendlich arrangiert, alle Parteien werden sich daran gewöhnen. Meiner Meinung nach wird es mit jedem Jahr, ja vielleicht sogar mit jedem Monat schwieriger sein Kind abzugeben, sowohl für einen selbst, als auch für das Kind. Je früher man sich und das Kind daran gewöhnt, dass es ein paar Stunden woanders betreut wird, desto einfacher ist es letztendlich.
Auch die „Mutter-“ oder „Vaterbindung“ wird dadurch meiner Meinung nach nicht gestört, auch das habe ich teilweise schon gelesen und kann es nicht nachvollziehen.
Felix freut sich immer sehr uns zu sehen, und das obwohl es ihm offensichtlich sehr gut in der Krippe gefällt. Er lacht sobald wir dort sind, spielt mit den anderen Kindern und weint nie.
Zudem kuschelt er seitdem mehr mit uns, gibt Bussis und spielt noch bis zum Schlafengehen mit seinen Eltern! Er ist rundum glücklich und gesund! Was will man mehr?!






